Steuerrecht für Azubis und Studenten: Das Wichtigste zusammengefasst

Steuerrecht für Azubis und Studenten: Das Wichtigste zusammengefasst

Das Steuerrecht ist ein umfangreiches und scheinbar unübersichtliches Themengebiet. Dennoch ist es für Arbeitnehmer unumgänglich, sich damit zu befassen – das gilt auch für Azubis. Die wichtigsten Fragen rund um Steuerzahlungen während der Ausbildung beantwortet der folgende Ratgeber:

Für Azubis gilt:

Wann Auszubildende Steuern zahlen müssen, ist von der Höhe der Vergütung und der Lohnsteuerklasse abhängig. Die meisten Azubis sind als Ledige und Kinderlose in der Steuerklasse I. Alleinerziehende besitzen Klasse II, Verheiratete können in Steuerklasse III, IV oder V sein und Personen, die noch einen zusätzlichen Nebenjob ausüben, sind in Klasse VI.

Achtung: Wer neben seiner Ausbildung einen Nebenjob ausüben möchte, benötigt die Zustimmung vonseiten des Arbeitgebers.

Lohnsteuer

Der Grundfreibetrag beträgt 8.820 €. Liegt der jährliche Verdienst unter dieser Grenze, sind keine Steuerabgaben notwendig. Bei einem höheren Einkommen sind Lohn- und Kirchensteuer sowie der Solidaritätszuschlag zu entrichten.

Die Lohnsteuer orientiert sich dabei an der Steuerklasse. Verdient ein Azubi mit der Steuerklasse I mehr als 946 € brutto im Monat, muss Lohnsteuer gezahlt werden. Bei der Steuerklasse VI gilt allerdings eine Sonderregelung. Hierbei müssen die meisten Azubis in ihrem ersten Ausbildungsjahr keine Steuern zahlen, da der Betrag an der Obergrenze der gezahlten Ausbildungsvergütungen liegt. In den Fällen, in denen dennoch eine Lohnsteuer fällig wird, ist der Ausbildungsbetrieb für deren Abführung zuständig.

Kirchensteuer

Die Kirchensteuer fällt selbstverständlich nur dann an, wenn der oder die Auszubildende einer Konfession angehört, also zum Beispiel katholisch oder evangelisch ist. In Bayern und Baden-Württemberg beträgt diese Kirchensteuer 8 % der Lohnsteuer – nicht der Ausbildungsvergütung. In den restlichen Bundesländern beträgt sie 9 %. Muss ein Azubi also keine Lohnsteuer zahlen, wird auch keine Kirchensteuer erhoben.

Solidaritätszuschlag

Wer monatlich eine Lohnsteuer von mehr als 81 € zahlt, muss zusätzlich den Solidaritätszuschlag begleichen. Dieser beträgt 5,5 % von der zu entrichtenden Lohnsteuer. Auch hierbei gilt: Wird keine Lohnsteuer gezahlt, ist auch kein Solidaritätszuschlag fällig.

Sozialabgaben

Beiträge für Renten-, Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherungen stellen die sogenannten Sozialabgaben dar. Diese sind jedoch erst nötig, wenn die Ausbildungsvergütung über monatlichen 325 € brutto liegt. Fällt das Gehalt geringer aus, ist der Arbeitgeber für diese Abgaben zuständig.

Insgesamt belaufen sich die Sozialabgaben auf 40 % der Ausbildungsvergütung. Der Azubi selbst muss davon aber nur rund 20 % zahlen, den Rest übernimmt der Ausbildungsbetrieb. Nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern steht einem der Netto-Betrag des Gehalts schließlich zur freien Verfügung.

Lohnt sich eine Steuerklärung?

An vielen Kosten, die während der Ausbildungszeit anfallen können, beteiligt sich der Staat. Dazu gehören zum Beispiel die Fahrten zum Betrieb, Ausgaben für Lehrbücher oder die Anschaffung eines Laptops. Mittels der Steuererklärung können sich Azubis alle ausbildungsbedingten Aufwendungen als sogenannte Werbungskosten steuerlich geltend machen.

Das Finanzamt zahlt aber nur dann Steuern zurück, wenn auch tatsächlich Steuern abgeführt wurden. In der jährlichen Lohnsteuerbescheinigung wird aufgeführt, wie viel Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag oder Kirchensteuer fällig waren. Diese können sich Azubis in der Regel komplett zurückholen.

Doch auch für diejenigen, die keine Steuern an das Finanzamt abgeführt haben, kann sich eine Steuererklärung lohnen. Mit einem Verlustvortrag – sprich, wenn mehr Ausgaben als Einnahmen zu verzeichnen sind – können Azubis eine Steuergutschrift erhalten.

Das kostenlose Ratgeberportal www.anwalt.org bietet viele weitere Informationen rund um das Steuerrecht, z.B. welche Steuerklasse die richtige ist oder eine Anleitung für die Steuererklärung.

Und was gilt für Studenten?

Egal, ob Minijob, Werkstudententätigkeit oder BAföG – auf irgendeine Weise verdient sich ein Großteil der Studierenden nebenbei Geld dazu. Doch dabei sollten auch die Auswirkungen auf Steuern und Sozialversicherung berücksichtigt werden. Die wichtigsten Infos dazu:

BAföG

Zunächst die gute Nachricht: BAföG-Leistungen sind steuerfrei. Wer sich noch etwas hinzuverdienen möchte, sollte sich beim zuständigen Amt erkundigen, wie viel das sein darf, da individuelle Verdienstgrenzen gesetzt werden. Bei Überschreiten dieser wird das Einkommen angerechnet und die BAföG-Leistung entsprechend gesenkt.

Grundsätzlich sind bis zu 4.880 € Bruttoverdienst im Jahr anrechnungsfrei möglich. Für Studenten, die verheiratet sind oder Kinder haben, gelten etwas höhere Freibeträge. Gegebenenfalls – zum Beispiel bei fälligen Semestergebühren – kann auch ein Einkommen über der Verdienstgrenze anrechnungsfrei bleiben. Dafür muss jedoch ein entsprechender Antrag gestellt werden.

Mini- und Werkstudentenjob

Minijobs auf 450-€-Basis sind in der Regel steuer- und sozialversicherungsfrei. Einkünfte aus allen anderen Tätigkeiten – zum Beispiel bei einem Vollzeit-Ferienjob oder bezahlten Praktikum über 450 € – sind jedoch grundsätzlich steuerpflichtig.

Werkstudenten verdienen in der Regel mehr als 450 €, das heißt aber noch nicht, dass in jedem Fall Steuern abgezogen werden. Der gültige Steuerfreibetrag hängt von der Steuerklasse als Student ab, die sich nach dem Familienstand richtet. Unverheiratete und Kinderlose sind in Steuerklasse I eingestuft; dort beträgt der jährliche Grundfreibetrag zurzeit 9.000 €. Wer also weniger als 750 € im Monat verdient, muss auch keine Einkommenssteuer zahlen. Bei einem höheren Verdienst wird für den darüber liegenden Betrag ein Steuerabzug fällig – je nach Steuerklasse sind das 14 % oder mehr. Dies zieht auch den Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer nach sich.

Lohnt sich eine Steuerklärung?

Durch das Einreichen einer Steuererklärung kann die abgeführte Lohnsteuer oftmals vom Finanzamt erstattet werden. Liegt das zu versteuernde Einkommen unterhalb des Grundfreibetrages von 9.000 €, wird die einbehaltene Lohnsteuer in voller Höhe erstattet – inklusive der Kirchensteuer sowie des Solidaritätszuschlags.

Aber auch bei einem höheren Verdienst können Studenten vieles erstattet bekommen, und zwar durch studien- oder arbeitsrelevante Aufwendungen: Den Werbungskosten. Dazu zählen zum Beispiel Büromaterial oder die Kosten für die Anfahrt zur Universität oder zum Job. Liegen die Werbungskosten über dem Pauschbetrag von 1.000 €, bekommt man die Steuern erstattet.

Kindergeld

Hat der oder die Studierende noch nicht das 25. Lebensjahr vollendet, erhalten die Eltern weiterhin Kindergeld – zumindest, wenn es sich um die Erstausbildung handelt. Bei der zweiten Ausbildung geht der Gesetzgeber allerdings davon aus, dass der Student in der Lage ist, sich selbst zu finanzieren, sodass nur unter strengen Voraussetzungen Kindergeld gewährt wird.

Sozialabgaben

Bei der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung gilt die 20-Stunden-Grenze. Arbeitet der Student mehr, überwiegt das Arbeitsverhältnis gegenüber dem Studium. Nur wenn die Beschäftigung in den Abend- oder Nachtstunden erfolgt, kann man gegebenenfalls weiterhin als ordentlicher Student gelten und somit Versicherungsfreiheit in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung erreichen.

Um in der Familienversicherung kostenlos weiterversichert zu bleiben, dürfen Studierende nur sehr wenig verdienen – aktuell sind das 435 € im Monat. Bei darüberhinausgehenden Einkünften muss stattdessen eine studentische Versicherung selbst finanziert werden.

Studenten müssen jedoch keineswegs grundsätzlich neben dem Studium arbeiten gehen. Sie besitzen auch das Recht auf Kindesunterhalt vonseiten der Eltern. Mehr dazu erfahren Sie unter www.familienrecht.net/kindesunterhalt/

Laura Gosemann, Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V.

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