Mieten für Studenten: Zwischen Boom und Rückgang

Mieten für Studenten: Zwischen Boom und Rückgang

Der Vorjahresvergleich der Angebotsmieten von Singlewohnungen in 68 deutschen Hochschulstädten von immowelt.de zeigt: In 30 Städten bleiben die Mieten stabil oder sinken sogar leicht, darunter München, Nürnberg und Bremen (je – 3 %) / Besonders in Baden-Württemberg steigen die Mieten: Tübingen (22 %), Stuttgart (19 %) und Heidelberg (14 %) / Die höchsten Mieten für Singlewohnungen zahlen Studenten in München (690 €), die niedrigsten in Chemnitz (180 €) .

In den vergangenen Jahren sind die Mieten für kleine Studentenbuden immer weiter angestiegen. Doch nun deutet sich in einigen Städten eine Trendwende an. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse von immowelt.de. Dafür wurden die aktuellen Angebotsmieten von Wohnungen bis 40 Quadratmetern in 68 Hochschulstädten mit dem Vorjahr verglichen. In 30 der untersuchten Städte stagnieren demnach die Mieten oder sind sogar leicht rückläufig. Die Gründe dafür sind verschieden.

In Städten wie Ingolstadt (0 %), Konstanz (- 2 %) oder Gießen (- 6 %) scheinen die Preise ausgereizt. Es tritt ein Sättigungseffekt auf, da die Schmerzgrenze des Bezahlbaren für viele Studierende erreicht ist. Gleiches trifft auch auf Großstädte zu: In München, Nürnberg und Bremen (jeweils – 3 %) pendelt sich die Mieten auf einem konstanten Preisniveau ein. Besonders in München, wo die Mieten in den vergangenen Jahren explodiert sind, ist eine Singlewohnung für Studenten finanziell kaum noch zu stemmen. Für im Durchschnitt 690 € werden Wohnung bis 40 Quadratmeter aktuell angeboten, vor einem Jahr waren es noch 710 €.

Es gibt jedoch auch Hochschulstädte mit niedrigem Preisniveau, deren Mieten sich kaum verändern. Das trifft vor allem auf die strukturschwachen Regionen im Osten zu. In Chemnitz sind die Mieten beispielsweise um 5 % auf 180 € gesunken. Den gleichen Rückgang verzeichnen auch Halle bei einer Miete von aktuell 200 € und Rostock bei 210 €. In den Großstädten Dresden und Magdeburg ist der Preis unverändert.

Hohe Steigerungen in Baden-Württemberg

Die Trendwende hat allerdings noch nicht alle Hochschulstandorte erreicht: Nach wie vor gibt es Städte, in denen die Mieten weiter nach oben klettern. Die größte Steigerung verzeichnet Tübingen – um 22 % haben sich die Mieten innerhalb eines Jahres verteuert. Mit 440 € Miete müssen Studenten inzwischen kalkulieren, wenn sie alleine wohnen möchten. Aufgrund der Vielfalt des Studienangebotes und des hohen Forschungsniveaus ist die Universität Tübingen eine der renommiertesten Hochschulen Deutschlands. Aktuell studieren dort knapp 28.000 angehende Akademiker – somit ist rund jeder 3. Einwohner Tübingens an der Universität eingeschrieben. Die Nachfrage nach Wohnraum ist folglich groß. Die zweitgrößte Steigerung gibt es in Stuttgart, wo sich Singlewohnungen um 19 % verteuert haben. Die Preise sind mit 500 € sogar noch etwas höher als in Tübingen. In der Landeshauptstadt konkurrieren Studenten mit Pendlern, die einen Zweitwohnsitz haben, um die wenigen freien kleinen Wohnungen. Generell ist das Preisniveau in Baden-Württemberg hoch und die Kurve zeigt nach wie vor nach oben. Auch Heidelberg (+ 14 %) und Ulm (+ 12 %) zählen zu den Städten mit dem stärksten Anstieg. Ähnliche Anstiege lassen sich auch deutschlandweit in mehreren kleinen Studentenstädten beobachten. Auch in Siegen (+ 16 %), Mainz (+ 13 %) und Würzburg (+ 12 %) scheint das Potenzial bei den Mietpreisen noch nicht ausgeschöpft.

Große Preisunterschiede in Studentenstädten

Da Studenten häufig nur ein geringes Budget für die Wohnung aufbringen können, lohnt es sich, die Studienorte zu vergleichen. Denn die Unterschiede bei den Mieten sind enorm, das Studienangebot vor Ort ist hingegen oft ähnlich. So ist beispielweise die Miete in München, der teuersten Stadt, mehr als drei Mal so hoch wie in Chemnitz, der günstigsten Stadt. Viele Studiengänge sind aber gleich: Informatik oder Wirtschaftsingenieurwesen werden zum Beispiel an der TU Chemnitz genauso wie an Münchner Hochschulen angeboten. Neben Chemnitz zahlen Studenten vor allem im Osten und im Ruhrgebiet am wenigsten fürs Wohnen. In Cottbus und Halle kostet eine Singlewohnung 200 €, in Gelsenkirchen oder Duisburg 240 €. Am oberen Ende der Preisskala stehen hingegen die beliebten Großstädte mit enormem Zuzug in den vergangenen Jahren. Neben München sind das Frankfurt (540 €), Stuttgart (500 €) und Berlin (470 €). Aber auch in kleineren Städten wie Ingolstadt oder Mainz (jeweils 450 €) ist Wohnen teuer. Auch hier kann sich der Blick in das Studienangebot günstigerer Städte lohnen.

Stadt Miete Veränderung
Aachen 310 € + / – 0
Augsburg 360 € -5%
Bamberg 330 € + / – 0
Bayreuth 300 € 3%
Berlin 470 € 7%
Bielefeld 300 € 3%
Bochum 250 € + / – 0
Bonn 370 € 3%
Braunschweig 270 € 4%
Bremen 310 € -3%
Chemnitz 180 € -5%
Cottbus 200 € 5%
Darmstadt 390 € 5%
Dortmund 280 € 8%
Dresden 270 € + / – 0
Düsseldorf 400 € 3%
Duisburg 240 € + / – 0
Erfurt 270 € -4%
Erlangen 400 € 8%
Essen 280 € 4%
Frankfurt am Main 540 € 10%
Freiburg im Breisgau 420 € 2%
Fulda 350 € -3%
Gelsenkirchen 240 € 4%
Giessen 330 € -6%
Goettingen 320 € + / – 0
Greifswald 270 € + / – 0
Halle (Saale) 200 € -5%
Hamburg 420 € 2%
Hannover 340 € 6%
Heidelberg 420 € 14%
Hildesheim 260 € 4%
Ingolstadt 450 € + / – 0
Iserlohn 240 € + / – 0
Jena 310 € 3%
Kaiserslautern 250 € + / – 0
Karlsruhe 410 € 2%
Kassel 270 € -4%
Kiel 290 € 4%
Koblenz 350 € + / – 0
Köln 430 € 5%
Konstanz 420 € -2%
Leipzig 250 € 4%
Lübeck 280 € 4%
Magdeburg 220 € + / – 0
Mainz 450 € 13%
Mannheim 350 € 6%
Marburg 320 € + / – 0
München 690 € -3%
Münster 360 € 3%
Nürnberg 380 € -3%
Oldenburg 320 € + / – 0
Osnabrück 300 € 3%
Paderborn 280 € + / – 0
Passau 320 € 7%
Potsdam 320 € -6%
Regensburg 390 € 5%
Rosenheim 400 € 3%
Rostock 210 € -5%
Saarbrücken 280 € + / – 0
Siegen 290 € 16%
Stuttgart 500 € 19%
Trier 330 € 6%
Tübingen 440 € 22%
Ulm 370 € 12%
Wiesbaden 400 € 5%
Würzburg 380 € 12%

Berechnungsgrundlage:

Datenbasis für die Berechnung der Mieten in 68 ausgewählten deutschen Universitätsstädten waren 80.500 auf immowelt.de inserierte Angebote mit einer Wohnfläche von bis zu 40 Quadratmetern und 1 bis 2 Zimmern. Dabei wurden ausschließlich Angebote berücksichtigt, die vermehrt nachgefragt wurden. Die Preise geben den Median von Mietwohnungen und -häuser wieder, die zwischen Juli 2018 und Juli 2019 sowie im Vorjahreszeitraum angeboten wurden. Die Mietpreise spiegeln den Median der Nettokaltmieten bei Neuvermietung wider. Der Median ist der mittlere Wert der Angebotspreise. Aufgrund von Marktschwankungen sowie der Varianz der ausgewerteten Angebote wird bei prozentualen Veränderungen von – 2 bis + 2 % innerhalb eines Jahres von stabilen Preisen gesprochen.

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