Interview mit einem Studienabbrecher

Interview mit einem Studienabbrecher

Jörn Saenger studierte 16 Semester, bevor er sich dazu entschloss, eine duale Ausbildung zu beginnen. Zwei Jahre später ist er der jahrgangsbeste Absolvent in seinem Ausbildungsberuf bundesweit und wurde dafür im Rahmen der Bundesbestenehrung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ausgezeichnet. Warum der Schritt hin zu einer Berufsausbildung die beste Entscheidung für ihn war, verrät er hier:

? Jörn, du hast eine Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Beschichtungstechnik als bundesweit bester Azubi abgeschlossen – mit 99 von 100 Punkten. Herzlichen Glückwunsch! Wie stolz bist du darauf?
„Als ich die Noten erhalten habe, war ich schon sehr erstaunt. Für mich ist das ein großes Erfolgserlebnis, vor allem, weil ich jetzt einen Abschluss habe. Ich habe lange Zeit studiert, mein Studium abgebrochen und bin froh, endlich etwas in der Tasche zu haben. Die Krönung ist der tolle Abschluss.“

? Wie kam es dazu, dass du dich nach dem Abitur für ein Studium entschieden hast?
„Mir war immer klar, dass ich studieren möchte, denn viele Personen im Familienkreis haben studiert. Da ich mich schon immer für Naturwissenschaften interessierte, habe ich mich für ein Chemie-Studium am KIT entschieden. Durch die naturwissenschaftliche Auslegung meines Abiturs dachte ich auch, dass es das Richtige für mich sei. An eine duale Ausbildung habe ich ehrlich gesagt nicht gedacht, aber jetzt im Nachhinein kann ich sagen: Ich hätte direkt nach dem Abitur eine Ausbildung beginnen sollen. Auch ein duales Studium wäre für mich der bessere Weg gewesen.“

? Nach 16 Semestern hast du dein Studium abgebrochen. Aus welchen Gründen?
„Das Hauptproblem war die Praxisferne. Ich habe irgendwann nicht mehr gesehen, auf was das alles hinauslaufen soll und ich habe auch den Anschluss verloren, als ich die ersten Klausuren nicht bestanden hatte. Ich habe erst Chemie studiert und dann zu Chemieingenieurwesen gewechselt, weil ich mir davon mehr Praxisorientierung versprochen hatte. Letztendlich war es fast noch theorielastiger. Dann dachte ich mir: Du gehst langsam auf die 30 zu, hast keinen Abschluss, lebst im Prinzip noch größtenteils von dem Geld deiner Eltern und da wollte ich endlich auf eigenen Beinen stehen.“

? Welche Rolle hat die IHK Karlsruhe für dich in dieser Zeit gespielt?
„Die IHK Karlsruhe war für mich eine Anlaufstelle, die mich beraten und unterstützt hat. Ein Bildungsberater der IHK hat mir aufgezeigt, welche Ausbildungsberufe für mich in Frage kommen und dass ich die Ausbildungszeit auf Grund meiner Studieninhalte um ein Jahr verkürzen kann. Außerdem hat die IHK den Kontakt zu meinem Ausbildungsbetrieb Mocopinus hergestellt, sodass sich der dortige Personalchef sehr schnell bei mir gemeldet und mich zum Vorstellungsgespräch eingeladen hat.“

? Und jetzt kannst du sagen: Es war die beste Entscheidung, eine duale Ausbildung zu beginnen?
„Ich habe vor allem die Praxisorientierung genossen. Man ist im Werk und am Ende des Tages sieht man, was man geleistet hat. Außerdem verdient man sein eigenes Geld. Auch wenn es kein großer Gehaltscheck war, konnte ich meine Wohnung endlich selbst bezahlen. Man kriegt – anders als im Studium – einen geregelten Tagesablauf und von Zeit zu Zeit immer mehr Verantwortung übertragen. Am Ende stehen der tolle Abschluss, die Übernahme und die Zusage, mich über Fortbildungen in der Firma weiterbilden zu können.“

? Was ist dein Ratschlag an Jugendliche und Schüler während der Berufsorientierung?
„Oft hat man automatisch einen gewissen Weg im Kopf, der aus dem Familien- oder Freundeskreis entsteht. Zum Beispiel, weil dort alle studieren. Man sollte ein Studium aber weder von vorneherein favorisieren noch ausschließen, sondern auf sich selbst achten und schauen, wo die eigenen Interessen und Stärken liegen und anschließend seinen eigenen Weg gehen. Ich denke, ein Orientierungs- oder Praxisjahr nach der Schulzeit einzulegen, kann sehr hilfreich sein.“

Keine Lust, 16 Semester zu studieren, sondern gleich eine passende Ausbildungsstelle finden?

Die Lehrstellenberater der IHK Karlsruhe helfen dir dabei. Mehr Infos gibt es online unter www.deinezukunftjetzt.de/ausbildungsberatung/

Im Bild: Jörn Saenger mit seiner Ausbilderin Barbara Szyszlo, MOCOPINUS GmbH & Co. KG, Karlsruhe

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