Branchenreport Medizin & Pflege

Branchenreport Medizin & Pflege

Die Geschäftslage der Unternehmen der Gesundheitswirtschaft trübt sich weiter ein und erreicht den niedrigsten Wert seit sechs Jahren. Insbesondere die Lage im Handel mit Gesundheitsgütern verschlechtert sich deutlich, wohingegen die deutsche Medizintechnik aktuell nach wie vor auf hohen Touren läuft.

Viele Unternehmen der Gesundheitswirtschaft sind mit steigenden Geschäftsrisiken konfrontiert, die sich in den Geschäftserwartungen niederschlagen. Sie blicken nun merklich verhaltener auf ihre künftigen Geschäfte. Zwar sind die Betriebe nach wie vor zuversichtlicher als die Gesamtwirtschaft, jedoch nun auf dem niedrigsten Niveau seit zehn Jahren. Insbesondere die Medizintechnik und der Handel mit Gesundheitsgütern blicken deutlich weniger positiv in die Zukunft. Hauptgrund für die eingetrübte Stimmung in der Medizintechnik ist die EU-Verordnung über Medizinprodukte, die für die Unternehmen mit großen Herausforderungen verbunden ist. Im Handel mit Gesundheitsgütern sind unter anderem die nach wie vor unklaren gesetzgeberischen Vorhaben zum Versandhandel verschreibungspflichtiger Medikamente für die hohen wirtschaftspolitischen Risiken ausschlaggebend.

In den Hauptexportbranchen der Gesundheitswirtschaft –Medizintechnik und Pharmabranche – befinden sich die Export-erwartungen immer noch auf einem im Branchenvergleich weit überdurchschnittlichen Niveau. Jedoch sind die Erwartungen aufgrund hoher Auslandsrisiken auch hier nun deutlich gesunken. Die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen der Gesundheitswirtschaft gehen insgesamt etwas zurück. Die Betriebe der Medizintechnik sowie der Handel bei Gesundheitsgütern sind auch hier besonders zurückhaltend. Dennoch ist die Gesundheitswirtschaft nach wie vor einer der Jobmotoren in Deutschland. Unter dem Strich deuten die Zeichen trotz hoher wirtschaftspolitischer Risiken sowie verstärkter Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften nämlich weiterhin auf Beschäftigungszuwachs.

Geschäftslage getrübt wie zuletzt 2013

Die Geschäftslage in der deutschen Gesundheitswirtschaft trübt sich weiter ein und erreicht den niedrigsten Wert seit Herbst 2013. Weniger als die Hälfte der Unternehmen beurteilt ihre Geschäftslage noch als „gut“ (45 %), dagegen zehn Prozent als „schlecht“. Der resultierende Saldo von 35 Punkten bedeutet eine Verschlechterung der Lage gegenüber dem Frühsommer 2019 um vier Punkte.

Die Lage ist jedoch besser als in der Gesamtwirtschaft (hier 30 nach zuletzt 36 Punkten). Die deutsche Medizintechnik läuft aktuell nach wie vor auf hohen Touren (48 nach zuletzt 43 Punkten). Die Geschäftslage in der pharmazeutischen Industrie (43 nach zuletzt 53 Punkten) sowie im Handel mit Gesundheitsgütern (21 nach zuletzt 35 Punkten) verschlechtert sich hingegen deutlich.

Stabilisierend wirkt sich jedoch aus, dass Gesundheitsleistungen in einer älter werdenden und gleichzeitig zunehmend gesundheitsbewussten Gesellschaft hoch im Kurs stehen sowie konjunkturelle Schwankungen weniger Einfluss auf die Gesundheitswirtschaft als auf andere Branchen wie etwa die Automobilwirtschaft haben. Gleichzeitig sehen sich jedoch viele Unternehmen mit steigenden Geschäftsrisiken konfrontiert, die sich in ihren Geschäftserwartungen niederschlagen.

Neue Ausbildungsverträge* 2019

Ausbildungsberuf Verträge Frauenanteil
Medizinischer Fachangestellte 16.881 97,20%
Zahnmedizinischer Fachangestellter 14.064 97,20%
Augenoptiker 3.156 66,50%
Tiermedizinischer Fachangestellter 2.763 93,70%
Kaufmann/ im Gesundheitswesen 2.220 76,00%
Zahntechniker 1.848 55,20%
Pharmazeutisch-kaufmännischer Angestellter 1.422 91,60%
Hörakustiker 1.335 53,90%
Drogist 1.257 93,60%
Orthopädietechnik-Mechaniker 600 46,30%
Orthopädieschuhmacher 291 42,80%

* ohne Pflegeausbildungen, da diese Ländersache sind und vom BIBB (zuständig für Duale Ausbildungen nach dem Berufsbildungsgesetz) nicht erfasst werden

Fachkräftemangel hoch

Der Fachkräftemangel bleibt das Top-Risiko aus Sicht der Betriebe. 65 % sehen ihn als Gefahr für ihre Geschäftstätigkeit an (66 % in der Vorumfrage). Die Sorge um fehlende Fachkräfte ist damit in der Gesundheitswirtschaft nach wie vor noch stärker ausgeprägt als in der Gesamtwirtschaft (hier 56 nach 59 %). Die Gesundheits- und sozialen Dienste liegen mit 83 % mit ihren Sorgen um Personalmangel erneut ganz vorne (zuletzt 84 %). Hier hat der demografische Wandel gleich zweifach Einfluss – zum einen durch den ausbleibenden Nachwuchs und zum anderen durch höheren Pflegebedarf aufgrund einer zunehmenden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen. Da die anderen Branchen der Gesundheitswirtschaft nicht so stark personalintensiv sind, spüren sie den Fachkräftemangel um Vergleich etwas weniger, aber immer noch deutlich: Im Handel mit Gesundheitsgütern (54 nach zuletzt 58 %) sowie in der Medizintechnik nehmen die Sorgen gegenüber der Vorumfrage ab (52 nach zuletzt 62 %). In der pharmazeutischen Industrie steigen sie auf 47 nach zuletzt 42 %.

Personalaufbau geht weiter

Die Gesundheitswirtschaft ist nach wie vor einer der Jobmotoren in Deutschland. 29 % der Betriebe wollen Beschäftigung aufbauen, nur 10 % sehen eine Reduzierung vor. Der Beschäftigungssaldo reduziert sich zwar auf 19 Punkte (zuletzt 24 Punkte), liegt jedoch nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau. Zum Vergleich: In der Gesamtwirtschaft liegt der Saldo nun bei null Punkten (nach sechs Punkte).

Die Medizintechnik (15 nach zuletzt 28 Punkte) sowie der Handel mit Gesundheitsgütern (sechs nach zuletzt 15 Punkte) reduzieren ihre Beschäftigtenplanung jedoch deutlich. Insbesondere die hohen wirtschaftspolitischen Risiken tragen zu dieser Zurückhaltung bei.

Die pharmazeutische Industrie weitet ihre Beschäftigtenplanung etwas aus (14 nach zuletzt 12 Punkte), wohingegen die Gesundheits- und sozialen Dienste mit einem konstant hohen Beschäftigungsaufbau planen. Es werden vor allem personalintensive Tätigkeiten – etwa in der Altenpflege – ausgebaut. Die Suche nach geeigneten Fachkräften gestaltet sich jedoch schwer. Offene Stellen bleiben daher lange unbesetzt. Die Politik hat mit verschiedenen Gesetzesinitiativen mehr Geld für Personal in Pflegeeinrichtungen und Kliniken in Aussicht gestellt. Doch inwieweit sich die neuen Stellen angesichts des leergefegten Arbeitsmarktes besetzen lassen, ist nach wie vor fraglich.

Unter dem Strich deuten die Zeichen trotz verstärkter Schwierigkeiten bei der Gewinnung und Bindung von Fachkräften weiterhin auf Beschäftigungszuwachs.

Was ändert Covid-19?

Durch die Corona-Krise geriet seit dem März auch die Arbeit in Krankenhäusern, Pflegeheimen und Kitas in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und der Politik. Mehrfacher Dank von der Kanzlerin, Gesundheitsminister Spahn sowie vielen Politikern auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene, Solidaritätsbekundungen in den Sozialen Medien und öffentlicher Applaus vom Balkon waren die Folge.

Am 14. Mai 2020 wurde eine einmalige und steuerfreie von 334 € bis maximal 1.000 € gestaffelte Prämie für Beschäftigte und Azubis (600 €) in Pflegeeinrichtungen beschlossen. Formal bezahlen die Pflegeeinrichtungen als Arbeitgeber die Prämie – tatsächlich bezahlen die Beitragszahler, also die Versicherten der Sozialversicherungen.

Die Beschäftigten in der Akutpflege, also z.B. auf den Intensivstationen der Krankenhäuser, gingen leer aus. Und auch das politische Geschacher, wer die Prämie bezahlt, hinterlässt einen „faden Beigeschmack“, so der Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V. – ganz abgesehen davon, dass ursprünglich 1.500 € im Gespräch waren (die Länder sind aufgefordert, die Prämie aus eigenen Mitteln aufzustocken, falls möglich).

Ob also im Herbst, im Winter oder wann auch immer das Virus durch ein Medikament, eine Impfung oder das Ausbleiben neuer Ansteckungsfälle „besiegt“ ist, eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Bezahlung im Bereich Gesundheitswesen immer noch auf der politischen Agenda steht oder ganz schnell Vergessenheit gerät, bleibt abzuwarten – wo es klemmt, hat Covid-19 überdeutlich gemacht.

Positive Entwicklung in der Ausbildung

Gegenüber der dualen Ausbildung stellt die schulische Berufsausbildung die zweite Säule der Berufsausbildung in Deutschland dar. Der mit Abstand größte Anteil seiner Schülerinnen und Schüler entfällt auf Ausbildungen im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen, die sogenannten GES-Berufe. Hierbei handelt es sich um Ausbildungsgänge, die an Berufsfachschulen, Schulen des Gesundheitswesens und Fachschulen durchgeführt werden.
Der Ausbildungsbereich der GES-Berufe ist in den letzten Jahren stark expandiert. Er hebt sich damit deutlich von den anderen schulischen Ausbildungsberufen ab. Die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger einer Ausbildung in den GES-Berufen stieg zwischen 2005 und 2018 um 25,2% an. Hierin spiegeln sich gesellschaftliche Entwicklungen. So hat sich z.B. durch die zunehmende Alterung der Fachkräftebedarf im Pflegebereich erhöht. Auch die Nachfrage nach Erzieherinnen und Erziehern ist gewachsen, nicht zuletzt infolge des 2013 eingeführten Rechtsanspruchs auf einen Kinderbetreuungsplatz.

Im Schuljahr 2017/2018 betrug die Zahl der Anfängerinnen und Anfänger in einem der GES-Berufe 178.800, darunter 76,2% Frauen. GES-Berufe sind daher eine Frauendomäne. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg von 3.800 bzw. 2,1%. Auf den Bereich des Gesundheitswesens, zu dem u.a. die Gesundheits- und Krankenpflege sowie die Altenpflege gehören, entfielen im Schuljahr 2017/2018 insgesamt 217.000 Schülerinnen und Schüler. Dies ist ein nahezu konstanter Wert gegenüber dem Vorjahreszeitraum (+0,2%). Der Ausbildungsbereich des Erziehungswesens – mit den Berufen Erzieherin und Erzieher, Kinderpflegerin und Kinderpfleger sowie Sozialassistenz – kam 2017/2018 auf 105.800, ein Anstieg von 20.500 (+24%) zum Vorjahr.

Ausbildungen im Gesundheitswesen

Dabei hat sich die Zahl der Schülerinnen und Schüler in den einzelnen Berufen unterschiedlich entwickelt. In der Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege lag sie bei 63.707 und ist damit gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken (64.258 bzw. 0,86%). In der Gesundheits- und Kinderkrankenpflege ist ein Anstieg um 4,56% auf 7.481 zu verzeichnen. Die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler in der Altenpflegeausbildung ist nach den Daten der Schulstatistik im Vergleich zum Vorjahr mit 68.236 (0,04%) Auszubildenden stabil geblieben. Der Anteil der männlichen Schüler an der Gesamtzahl der Auszubildenden hat sich im Schuljahr 2017/2018 erhöht: Gegenüber 23,33% im Vorjahr beträgt er nun 24,38%.

Im Schuljahr 2017/2018 ist die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler in den dem jeweiligen Landesrecht unterliegenden Ausbildungen der Altenpflegehilfe, Krankenpflegehilfe bzw. Pflegeassistenz im Vergleich zum Vorjahr um 3,68% auf 16.447 gestiegen. In einer Ausbildung zur Altenpflegehilfe befinden sich aktuell 8.659 Schülerinnen und Schüler (+267 bzw. +3,18%) und in einer Krankenpflegehilfeausbildung 4.899 Schülerinnen und Schüler (+241 bzw. +5,17%).

42.889 Schülerinnen und Schüler nehmen derzeit an einer Ausbildung zur Pflegeassistenz teil (+76 bzw. +2,7%). Der Anteil der männlichen Auszubildenden an den Auszubildenden insgesamt ist in den Pflegehelfer- und -assistenzberufen im vergangenen Jahr um 3,48% gegenüber dem Vorjahr auf 27,83% gestiegen, dabei gab es bei den Männern einen deutlichen Anstieg um 36,17%, während bei den Frauen ein leichter Rückgang um 1,1% zu verzeichnen war.

gesamt davon Frauen Trend zum Vorjahr
Altenpfleger 68.236 51.603 -0,04%
Gesundheits- und Krankenpfleger 63.707 50.975 -0,68%
Physiotherapeuten 21.220 13.258 -2,71%
Berufe in der Pflegeassistenz * 16.446 4.578 3,68%
Ergotherapeuten 9.879 8.758 -3,68%
Pharmazeutisch-technische Assistenten 7.706 6.717 2,79%
Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger 7.481 7.121 4,56%
Notfallsanitäter 5.258 1.774 24,98%
Medizinisch-technische Laboratoriumsassistenten 3.552 2.902 -0,73%
Logopäden 3.389 3.145 -1,97%
Medizinisch-technische Radiologieassistenten 2.991 2.167 1,94%
Entbindungspflegehelfer/Hebammen 2.357 2.356 10,61%
Diätassistenten 1.681 1.497 -2,78%
Masseure/Medizinische Bademeister 1.415 730 -7,03%
Podologen 1.149 1.013 -18,86%
Medizinisch-technische Assistenten für Funktionsdiagnostik 428 324 2,64%
Orthopisten 125 118 -2,34%
Gesamt: 217.021 50.696 0,19%

* Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger, Gesundheits- und Krankenpfleger, Altenpflegehelfer, Pflegeassistenten

Die übrigen Gesundheitsfachberufe zeigen unterschiedliche Tendenzen auf. Ein deutlicher Anstieg lässt sich bei der Zahl der Schülerinnen und Schüler in der Ausbildung im Bereich der Hebammen und Entbindungspfleger auf 2.357 (+226 bzw. +10,61%) feststellen. Im Schuljahr 2017/2018 gab es drei Entbindungspfleger. Bei den Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zeigt sich eine Verringerung von 2,71% bzw. um 592 Auszubildende auf eine Gesamtzahl von 21.220 Schülerinnen und Schülern. Rückgänge im einstelligen Prozentbereich weisen außerdem die Ausbildungszahlen im Bereich der Diätassistenz, der Orthoptik, Logopädie und Ergotherapie auf. Im Schuljahr 2017/2018 gab es 1.681 Schülerinnen und Schüler der Diätassistenz (–2,78% bzw. –48), 125 Schülerinnen und Schüler der Orthoptik (–2,34% bzw. –3) sowie 3.389 Schülerinnen und Schüler der Logopädie (–1,97% bzw. –68). Auch die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in der Ergotherapie ist um 3,55% (bzw. 364) auf 9.879 zurückgegangen. Ein deutlicher Rückgang ist bei der Anzahl der Schülerinnen und Schüler in der Podologie auf 1.149 (–18,68% bzw. –264) festzustellen. Eine Steigerung der Ausbildungszahlen lässt sich bei einigen medizinisch-technischen Assistenzberufen registrieren. Bei der medizinisch-technischen Assistenz für Funktionsdiagnostik mit insgesamt 428 Schülerinnen und Schülern (Anstieg: 2,64% bzw. +11) stieg die Zahl der männlichen Berufsanwärter um 14,29%. Damit hat sich der Anteil der männlichen Schüler an der Gesamtzahl der Auszubildenden von 21,82% vom Vorjahr auf 24,29% im Schuljahr 2017/2018 erhöht. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den pharmazeutisch-technischen Assistentinnen und Assistenten, die mit der Gesamtzahl von 7.706 Auszubildenden einen Zuwachs von 2,97% und mit 12,13% ebenfalls einen stärkeren Anstieg bei den männlichen Auszubildenden aufweisen. Der Anteil der männlichen Schüler an der Gesamtzahl der Auszubildenden ist von 11,78% im Vorjahr auf 12,83% im Schuljahr 2017/2018 leicht angestiegen

Ausbildung in der Erziehung/Heilerziehung

Gesamt davon Frauen Trend zum Vorjahr
Erzieher 83.911 68.393 32,30%
Sozialpädagogische Assistenten/ Kinderpfleger 21.915 18.174 0,12%
Heilerziehungspfleger 15.085 10.921 53,37%
Berufe in der Kinderbetreuung und -erziehung 13.775 11.426 1,02%
Heilpädagogen 2.132 1.864 -11,90%
Heilerziehungspflegehelfer 1.699 541 -15,80%
Heilerziehungspflegehelfer Rehabilitation 1.353 991 -80,10%
Gesamt: 139.870 112.308 16,86%

Ausbildungen in sozialen Berufen

Neben der Möglichkeit eines Hochschulstudiums führt der Weg in Berufe der frühen Bildung, Erziehung und Heilerziehung in den allermeisten Fällen über schulische Ausbildungen. Am häufigsten werden die staatlich geprüften bzw. anerkannten Ausbildungen zur Erzieherin bzw. zum Erzieher, zur Sozialassistentin bzw. zum Sozialassistenten und zur Kinderpflegerin bzw. zum Kinderpfleger sowie aus dem Bereich der Heilerziehungspflege gewählt. Die Abschlüsse staatlich geprüfte Erzieherin/geprüfter Erzieher bzw. anerkannte Erzieherin/anerkannter Erzieher und Heilerziehungspflegerin/Heilerziehungspfleger liegen auf einem dem hochschulischen Bachelor entsprechenden Niveau. Sie setzen in der Regel auf die jeweiligen Assistenz- und Hilfskraft-Ausbildungen auf, auch andere Erstausbildungen können die Zulassungsvoraussetzungen erfüllen. Die Heilpädagogik ist eine weitere Aufstiegsqualifikation, die ihrerseits auf dem Abschluss Heilerziehungspfleger aufsetzt

Die Ausbildung zur Erzieherin/zum Erzieher ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt. Die Hälfte der Länder hat die herkömmliche, in eine zweijährige Theorie und eine einjährige Praxisphase geteilte Ausbildung in eine durchgängig praxisintegrierte Form umgewandelt. In Anbetracht des hohen Fachkräftebedarfs sind die Länder zudem bestrebt, die Ausbildung noch attraktiver zu gestalten. Acht Länder bieten daher – häufig noch auf Schulversuche begrenzt – auch vergütete Ausbildungswege an. Im Ausbildungsjahr 2017/2018 befanden sich 83.911 Schülerinnen und Schüler in Deutschland in einer Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher, darunter 68.393 (81,5%) weibliche und 15.518 (18,5%) männliche Auszubildende. Das waren insgesamt 32% mehr Schülerinnen und Schüler als im Vorjahr. Den ersten Schuljahrgang besuchten 2017/2018 32.262 Schülerinnen und Schüler, darunter 25.941 (80%) weibliche und 6.321 (20%) männliche Auszubildende. Die Anzahl der Auszubildenden zur Sozialpädagogischen Assistentin bzw. zum Sozialpädagogischen Assistenten oder zur Kinderpflegerin bzw. zum Kinderpfleger betrug im Ausbildungsjahr 2017/2018 insgesamt 21.915. Von diesen Auszubildenden waren 18.174 (83%) weiblich und 3.741 (17%) männlich. 15.085 Personen ließen sich im Ausbildungsjahr 2017/2018 zur Heilerziehungspflegerin (10.921, 72%) bzw. zum Heilerziehungspfleger (4.164, 28%) ausbilden, das waren 53% mehr als im Ausbildungsjahr 2016/2017.

Viel Bewegung in der Pflege- und Gesundheitsausbildung

Das neue Pflegeberufegesetz

Mit dem Gesetz zur Reform der Pflegeberufe wurde ab Januar 2020 der Grundstein für eine zukunftsfähige und qualitativ hochwertige Pflegeausbildung für die Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege gelegt.

 

 

 

Im Wesentlichen werden folgende Regelungen getroffen:

  • Die bisher im Altenpflegegesetz und im Krankenpflegegesetz getrennt geregelten Pflegeausbildungen werden in einem neuen Pflegeberufegesetz zusammengeführt.
  • Alle Auszubildenden erhalten zwei Jahre lang eine gemeinsame, generalistisch ausgerichtete Ausbildung, in der sie einen Vertiefungsbereich in der praktischen Ausbildung wählen. Auszubildende, die im dritten Ausbildungsjahr die generalistische Ausbildung fortsetzen, erwerben den Berufsabschluss „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“.
  • Auszubildende, die ihren Schwerpunkt in der Pflege alter Menschen oder der Versorgung von Kindern und Jugendlichen sehen, können wählen, ob sie – statt die generalistische Ausbildung fortzusetzen – einen gesonderten Abschluss in der Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpflege erwerben wollen.
  • Nach zwei Dritteln der Ausbildung wird eine Zwischenprüfung zur Ermittlung des Ausbildungsstandes eingeführt. Ein Bestehen der Prüfung ist nicht erforderlich, um die Ausbildung fortzuführen.
  • Ergänzend zur beruflichen Pflegeausbildung wird ein Pflegestudium eingeführt.
  • Eine kostenfreie Ausbildung wird gewährleistet: Es wird kein Schulgeld mehr gezahlt. Zudem haben die Auszubildenden Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung, Lehr- und Lernmittel werden finanziert.
  • Auszubildende werden auch bei einer Umschulung nicht mit den Kosten belastet.
  • Die neue generalistische Pflegeausbildung wird über die EU-Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen in anderen EU-Mitgliedstaaten automatisch anerkannt werden.
  • Die gesonderten Abschlüsse in der Altenpflege und der Kinderkrankenpflege können weiterhin im Rahmen einer Einzelfallprüfung in anderen EU-Mitgliedstaaten anerkannt werden.

Eine 30-seitige Broschüre mit allen Informationen zur Pflegeausbildung gibt es zum kostenlosen Download hier.

Ausbildung zum Anästhesietechnischen (ATA) und Operationstechnischen Assistenten (OTA)

  • In der bundeseinheitlich geregelten Ausbildung werden grundlegende Kompetenzen im sicheren Umgang mit Patienten vermittelt. Auszubildende lernen beispielsweise den fachgerechten Umgang mit Medikamenten, Medizinprodukten und weiteren medizinischen Geräten.
  • Die dreijährige Ausbildung umfasst theoretischen und praktischen Unterricht sowie eine praktische Ausbildung an Krankenhäusern und geeigneten ambulanten Einrichtungen.
  • Zugangsvoraussetzung zur Ausbildung ist ein Mittlerer Schulabschluss oder eine mindestens zweijährige, abgeschlossene Berufsausbildung nach einem Hauptschulabschluss. Neben einem Hauptschulabschluss ist auch eine einjährige Ausbildung im Pflegebereich, die bestimmte Voraussetzungen erfüllt, ausreichend.
  • Die ATA- und OTA-Ausbildung wird mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen und somit staatlich anerkannt.
  • Die Auszubildenden erhalten eine angemessene Vergütung. Schulgeld darf nicht verlangt werden.
  • Wer vor Inkrafttreten dieses Gesetzes eine OTA- oder ATA-Ausbildung nach den bisherigen Regelungen begonnen hat, kann diese abschließen.

Reform der Hebammenausbildung

Hebammen werden in Deutschland künftig in einem dualen Studium ausgebildet. Das duale Studium verbindet ein wissenschaftliches Studium mit einer beruflichen Ausbildung. Mit dieser Ausbildungsreform wird zugleich fristgemäß die Berufsanerkennungsrichtlinie der Europäischen Union umgesetzt.

Wesentliche Inhalte des Hebammenreformgesetzes:

  • Das duale Hebammenstudium dauert mindestens sechs und höchstens acht Semester.
  • Es schließt mit einem Bachelor und einer staatlichen Prüfung ab. Der Abschluss ist Voraussetzung, um die Berufsbezeichnung „Hebamme“ führen zu dürfen.
  • Das Studium hat einen hohen Praxisanteil. Praxiseinsätze finden im Krankenhaus und im ambulanten Bereich (z. B. bei einer freiberuflichen Hebamme oder in einem „Geburtshaus“) statt.
    Die Mindestgesamtstudienzeit beträgt 4.600 Stunden.
  • Davon entfallen jeweils mindestens 2.200 Stunden auf den berufspraktischen Teil und auf die theoretischen und praktischen Lehrveranstaltungen.
  • Die Studierenden erhalten für die gesamte Dauer des Studiums eine Vergütung.
  • Zugangsvoraussetzung ist grundsätzlich eine zwölfjährige allgemeine Schulausbildung bzw. eine abgeschlossene Ausbildung in einem Pflegeberuf.

Reform der Psychotherapeutenausbildung

Wer Psychotherapeutin oder Psychotherapeut werden möchte, dem wird künftig an den Universitäten ein „Direktstudium“ zur Verfügung stehen. Denn in Zukunft wird die Approbation zum Psychotherapeuten im Anschluss an ein 5-jähriges Universitätsstudium erteilt werden.

Wesentliche Regelungen zur Psychotherapeutenausbildung:

  • Psychotherapie wird ein eigenständiges universitäres Studienfach.
  • Das Studium gliedert sich in ein 3-jähriges Bachelor- und ein 2-jähriges Masterstudium. Als Voraussetzung für die Erteilung der Approbation schließt sich die staatliche psychotherapeutische Prüfung an.
  • Bei bestandener Prüfung wird die Approbation (Erlaubnis zur Behandlung) erteilt.
  • Die neue Berufsbezeichnung lautet „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“.
  • Der neue Studiengang soll zum Wintersemester 2020 erstmals angeboten werden.
  • An das Studium schließt sich eine nach Landesrecht zu organisierende Weiterbildung in stationären und ambulanten Einrichtungen an.
  • Ein fester Anteil der Vergütung, die die Krankenkassen für die künftigen Psychotherapeuten in Weiterbildung („PiWs“) erbrachten ambulanten Krankenbehandlungen an die Weiterbildungsstätten zahlen, ist an diese weiterzugeben. Die gleiche Regelung gilt für angehende Psychotherapeuten, die ihre Ausbildung noch nach dem bisherigen System angefangen haben („PiAs“)
  • Mit der neuen Aus- und Weiterbildungsstruktur werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die künftigen PiWs im Krankenhaus beschäftigt und entsprechend entlohnt werden.
  • In psychiatrischen klinischen Einrichtungen erhalten PiAs künftig eine Mindestvergütung von 1.000 € monatlich während der praktischen Tätigkeit (Vollzeit). Für „PiAs“ gab es bisher keine Vergütungsregelungen.
  • Mit Abschluss der Weiterbildung sind die Psychotherapeuten berechtigt, sich ins Arztregister eintragen zu lassen und sich um eine Zulassung für die Versorgung im System der gesetzlichen Krankenversicherung zu bewerben.

Ausgewählte Links zum Thema:

www.altenpflegeausbildung.net
www.biha.de
www.caritas-soziale-berufe.de
www.deutsches-pflegeportal.de
www.diakonie-wuerttemberg.de
www.drk.de
www.gesundheit-studieren.com
www.internationaler-bund.de
www.junge-pflege.de
www.pflegeberufe-gesetz.de
www.pflegestudium.de
www.youngpropflege.de
http://zahntechnik-ausbildung.de/
www.zukunftsberuf-pfleger.de

Mehr Links zum Thema gibt es hier.

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